Sketchnotes zum Lernen

Sketchnotes sind kleine Symbole und Zeichnungen, die Lernstoff visualisieren. Anstatt auf Seiten voller Text zu starren, können Sketchnotes helfen, sich an das Gelernte besser zu erinnern. Neben einer kurzen Erklärung, warum Sketchnotes auch aus psychologischer Perspektive Sinn ergeben, finden Sie hier Links und Videos, um schnell ins Thema einzusteigen. Also Stift und Papier bereitlegen und los geht’s.

[Anmerkung zum Text: Ich rede im Text von „Lerner*innen“ und „Lehrer*innen“. Diese Bezeichnungen beziehen sich nicht nur auf Personen in der Schule, sondern beispielsweise auch auf die Ausbildung und auf alle weiteren Lernumfelder.]

Was sind Sketchnotes?

Das Wort Sketchnotes ist eine Kombination aus den englischen Begriffen „Sketch“ (Skizzieren oder Zeichnen) und dem Wort „Notes“ (Notizen). Es sind also gezeichnete Notizen. Häufig werden bei Sketchnotes Notizen mit visuellen Elementen angereichert. Dazu muss man auch kein besonderes Zeichentalent besitzen. Die meisten Symbole setzen sich aus einfachen Grundformen zusammen. In den Links unten im Beitrag finden Sie zahlreiche Anregungen für Symbole, die im Lernalltag weiterhelfen. Sie müssen also nicht unbedingt selbst kreativ werden. Wenn noch ein bisschen Farbe ins Spiel kommt, sehen die Notizen meist gleich viel ansprechender aus.

Sketchnotes können aber nicht nur Lerninhalte mit Bildern anreichern. Sie können diese auch nutzen, um Methoden und Abläufe mit Ihrer Lerngruppe darzustellen, z.B. mit Symbolen für Gruppendiskussionen, Partnerarbeit, Einzelarbeit, Experimente. So werden Arbeitsphasen für Lerner*innen schnell ersichtlich.

Psychologische Theorien zu Text und Bild

Auch in der Psychologie gibt es Theorien, die zeigen, dass Sketchnotes bzw. Bilder und Text vorteilhafter fürs Lernen sind als Text allein. Auf verschiedenen Sketchnotes-Webseiten trifft man dabei immer wieder auf die Theorie der dualen Kodierung und den Bildüberlegenheitseffekt.

Theorie der dualen Kodierung (Paivio, 1986)

Die Theorie besagt, dass Sprache und Bilder in zwei getrennten Kanälen in unserem Arbeitsgedächtnis verarbeitet werden.

Diese Theorie diente auch als Grundlage für spätere Theorien zum multimedialen Lernen, wie beispielsweise der kognitiven Theorie multimedialen Lernens (CTML) von Mayer aus dem Jahr 2001. Die CTML-Theorie besagt, dass es vorteilhafter ist, Texte und Bilder zu präsentieren anstatt nur eines von beiden. Denn die Kapazität des Arbeitsgedächtnis und der einzelnen Kanäle ist begrenzt.

Mehr dazu finden Sie in den Blogbeiträgen „Medieneinsatz beim Lernen 1 – Gestaltungsprinzipien für Text und Bild“ und „Medieneinsatz beim Lernen 2 – Lernen mit Videos„.

Bildüberlegenheitseffekt (Picture superior effect)

Der Bildüberlegenheitseffekt besagt, dass man sich an Bilder besser erinnert als an Worte. Auch dieser Ansatz geht unter anderem auf die Theorie der dualen Kodierung zurück. Die Mechanismen hinter diesem Effekt sind wissenschaftlich jedoch noch nicht vollständig geklärt.

Im Rahmen von Multimedia-Forschung beschäftigt sich auch die Pädagogische Psychologie damit, wie Lerner*innen Bild- und Textinformationen verarbeiten und wie Lernmaterialien gestaltet sein müssen, damit sie den Lernprozess unterstützen.

Linksammlung zum Thema Sketchnotes zum Lernen und in der Schule

Hier finden Sie ein paar hilfreiche Links, wenn Sie Einführungen und Anregungen für Sketchnotes suchen und überlegen, diese mit Ihren Lerner*innen anzuwenden.

https://sketchnote-love.com/sketchnotes-in-der-schule-einsetzen-so-gehts/

https://sketchnotes.com/sketchnoting-tutorial/

https://sketchnotes.de/lehren-und-lernen-mit-sketchnotes/

https://www.sketchnotes-by-diana.com/2016/04/24/sketchnotes-in-der-schule-unbedingt-nutzt-den-picture-superiority-effect/

https://www.uni-paderborn.de/fileadmin/cevet/Projekte/Digital_Graphic_Design__DGD_/Kueckmann_Kundisch_Handreichung_zum_Einsatz_von_Sketchnotes_und_digitalen_Visualisierungen_am_BK_2021.pdf

https://kritzelnotizen.de/

Videos

Doodle Teacher – Symbolbibliotheken für die Schule:

https://www.youtube.com/watch?v=Th8oDCSDypg

Stifterverband – Sketchnotes in Unterrichtspraxis und Hochschullehre:

https://www.youtube.com/watch?v=Eivq-icDFPM

Nadine Roßa – Einfache Symbole zeichnen:

https://www.youtube.com/watch?v=0aRSHaIj_Pk

Mein Kommentar
Sketchnotes sind eine schöne Sache, doch wie bei jeder Methode, sollten Sie überlegen, wann und unter welchen Bedingungen diese für Ihre Lerner*innen hilfreich ist. Überfordern Sie Ihre Lerner*innen nicht. Vielleicht erarbeiten Sie erst einmal als Gruppe eine kleine Symbolbibliothek, z.B. für Merksätze, Fragen, Beispiele und Exkurse, die alle Lerner*innen nutzen können. Alternativ können Sie Sketchnotes auch erst einmal fürs Lehren einsetzen, z.B. für den Ablauf des Unterrichts oder für selbsterstellte Arbeitsmaterialien.
Doch Sketchnotes haben auch Grenzen. So lange Lerninhalte, wie z.B. Vokabeln sehr konkret sind, lassen die Worte sich auch gut darstellen. Schwieriger wird es jedoch bei abstrakten Konzepten oder Fachbegriffen, die eine ganz bestimmte Bedeutung haben. Prüfen Sie kritisch, ob diese ebenfalls noch mit Sketchnotes umgesetzt werden können oder ob Sprache dann präziser wäre. Darüber hinaus zeigte in der psychologischen Forschung zu Multimedia, dass auch nicht jede Art von Bildern und Skizzen das Lernen fördern.

Quellen

Baadte, C., & Meinhardt‐Injac, B. (2019). The picture superiority effect in associative memory: A developmental study. British Journal of Developmental Psychology, 37(3), 382–395. https://doi.org/10.1111/bjdp.12280

Niegemann, H. M., Domagk, S., Hessel, S., & Hein, A. (Hrsg.). (2008). Kompendium multimediales Lernen. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-540-37226-4

Scheiter, K., Richter, J., & Renkl, A. (2018). Multimediales Lernen: Lehren und Lernen mit Texten und Bildern. In H. Niegemann & A. Weinberger (Hrsg.), Lernen mit Bildungstechnologien (S. 1–26). Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-54373-3_4-1