Interview mit Marie Himbert: Resilienz & Lernen

Was hat eigentlich Resilienz mit Lernen zu tun? Eine Menge, habe ich im Gespräch mit Marie Himbert gelernt, die am Leibniz-Institut für Resilienzforschung arbeitet. Sie gibt einen Einblick, was Resilienz ist und wie insbesondere Lerner*innen davon profitieren können.

[Anmerkung zum Text: Ich rede im Text von „Lerner*innen“ und „Lehrer*innen“. Diese Bezeichnungen beziehen sich nicht nur auf Personen in der Schule, sondern beispielsweise auch auf die Ausbildung und auf alle weiteren Lernumfelder.]

Myriam Schlag (MS): Hallo Marie, beginnen wir doch damit über deine Arbeit zu sprechen. Wo und was arbeitest du genau?

Marie Himbert (MH): Ich bin Referentin in der Resilienz-Ambulanz des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung. Die Resilienz-Ambulanz ist ein Angebot des Bereichs Resilienz und Gesellschaft innerhalb des Instituts. Dieser Bereich hat sich zum Ziel gesetzt, die Forschungsergebnisse zum Thema Resilienz an die Gesellschaft weiterzutragen. In der Ambulanz bieten wir Beratungen für stressbelastete Menschen an, die ihre Resilienz stärken wollen. Meine Kolleg*innen und ich führen dazu Resilienz-Coachings und Resilienz-Trainings durch und moderieren und organisieren Expertenvorträge. Die Coachings finden im Eins-zu-eins-Gespräch statt, die Trainings in Kleingruppen. Bei Letzterem geht es darum, das Konstrukt Resilienz vorzustellen, über neueste Forschungsergebnisse zu informieren und die Klient*innen mithilfe praktischer Übungen dabei zu unterstützen, ihre Widerstandskraft zu stärken. Darüber hinaus manage ich in ein Gesundheitsprojekt zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Mitarbeiter*innen der Universitätsmedizin. Damit unterstützen wir besonders belastete Berufsgruppen, wie beispielsweise Pflegepersonal. Aber auch Wissenschaftskommunikation, wie etwa im Rahmen dieses Interviews, gehört zu meinen Aufgaben.

MS: Welche Menschen kommen in die Resilienz-Ambulanz? Wurden die von ihren Ärzten dorthin überwiesen? Haben sie spezifische Erkrankungen? Oder sind es gestresste Personen, die etwas für sich tun wollen?

MH: Das ist unterschiedlich. Wie eben schon erwähnt, sind das beispielsweise verschiedene Berufsgruppen aus der Universitätsmedizin. Wir sind zunächst für alle Personengruppen offen und prüfen im Rahmen eines Erstgesprächs sehr genau, wem wir mithilfe unserer Methoden helfen können und sprechen Empfehlungen aus. Oft sind es Menschen, die gerade sehr viele Belastungen in verschiedenen Lebensbereichen erleben und die sich dabei gestresst und überfordert fühlen. Manchmal kommen sie auf Empfehlung ihrer Hausärztin. Manche spielen mit dem Gedanken, eine Psychotherapie zu beginnen, möchten aber schauen, ob vielleicht schon ein Coaching Abhilfe schafft. Andere befinden sich gerade in Therapie und nehmen unser Angebot ergänzend wahr, um zusätzliches Werkzeug an die Hand zu bekommen oder eine weitere Perspektive auf ihre Situation zu erhalten. Es kommen jedoch vorwiegend Personen, die keine Beeinträchtigung von Krankheitswert haben, sondern eben einfach belastet sind und ihre Resilienz verbessern wollen. Es geht uns darum, präventiv zu arbeiten und psychischen Erkrankungen vorzubeugen. Darüber hinaus haben wir auch Kooperationen mit Unternehmen und geben in diesem Rahmen Workshops für Mitarbeiter*innen.

MS: Jetzt sind wir eigentlich schon mitten im Thema und ich würde gern noch mal einen Schritt zurückgehen. Ich hab mich natürlich vor unserem Interview über das Thema Resilienz informiert und bin auf Begriffe wie „Widerstandfähigkeit“, „Elastizität und Spannkraft“, „realistischer Optimismus“ und „Schutzfaktoren“ gestoßen. Kannst du die Begriffe vielleicht nochmal sinnvoll verbinden und sagen, was Resilienz genau ist?

MH: Kurz zusammengefasst, meint Resilienz psychische Widerstandsfähigkeit. Wir verwenden in der Ambulanz oft die Analogie eines Schwamms. Den kann man gegen eine Wand werfen, auf ihm herumtreten und ihn strapazieren, aber er kommt hinterher immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Natürlich hinkt das Beispiel, da wir uns als Menschen in vielen Eigenschaften von Schwämmen unterscheiden. Was das Bild jedoch zeigen soll, ist, dass Resilienz meint, nach einer Beanspruchung möglichst schnell wieder zur psychischen Kraft zurückzukommen. Das heißt jedoch nicht, dass man durch Stress nicht psychisch beeinträchtigt wird. Resilienz schwankt im Laufe des Lebens abhängig von Erfahrungen und ist ein dynamisches Konzept. Vielmehr geht es darum, möglichst schnell wieder seine psychische Gesundheit zurück zu erlangen, sich also schnell zu erholen – oder erst gar nicht so stark beeinträchtigt zu werden.

Resilienz ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann. Dazu braucht man zunächst Wissen darüber, was eine resiliente Person ausmacht. Jeder kennt vermutlich Menschen, die schwere Schicksalsschläge erlebt haben, aber sich trotzdem wie ein Stehaufmännchen immer wieder aufrappeln. Oft fragt man sich, wie die das eigentlich schaffen. Genau da setzt auch die Forschung des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung an. Was bringen resiliente Menschen genau mit? In der Resilienzforschung wurden dabei bereits mehrere Schutzfaktoren gefunden. Doch die Forschung zur Resilienz ist noch recht jung und die Faktoren bedürfen weiteren empirischen Überprüfungen.

MS: Welche Schutzfaktoren sind für Resilienz besonders wichtig?

MH: Die Resilienzfaktoren, mit denen wir arbeiten und die sich auch in der Forschung herauskristallisiert haben, sind zum Beispiel aktives Coping, das heißt ein aktives, mutiges Anpacken herausfordernder Situationen, soziale Unterstützung durch stabile und erfüllende soziale Beziehungen sowie das regelmäßige Erleben „positiver“ Emotionen, etwa durch Aktivitäten, an denen man Freude hat. Auch das eigene Leben als sinnhaft zu empfinden, indem man sein Leben konsequent nach seinen persönlichen Werten ausrichtet, gilt als stabilisierend.

Hilfreich ist auch eine optimistische Grundhaltung dem Leben gegenüber. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es um einen realistischen und nicht um einen naiven Optimismus geht – im Sinne von, dass immer alles gut sein wird. Vielmehr geht es darum, ein Grundvertrauen darin zu haben, dass sich die Dinge mit etwas Glück zum Positiven entwickeln können, wenn man ein bisschen was dafür tut.

Kognitive Flexibilität ist ein weiterer wichtiger Resilienzfaktor und beinhaltet, dass man dazu in der Lage ist, in Situationen unterschiedliche gedankliche Perspektiven einzunehmen. Denn dieselbe Situation kann auf viele verschiedene Weisen interpretiert werden. Wenn man dann die Fähigkeit besitzt, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, kann das gerade bei Stress sehr hilfreich sein, da dieser oft erst durch katastrophisierende, teils irrationale Gedanken ausgelöst oder verstärkt wird.

Weitere Faktoren sind Selbstwert und Selbstwirksamkeit. Während ein stabiler Selbstwert die positive Bewertung der eigenen Person beschreibt, meint Selbstwirksamkeit die Überzeugung, mithilfe der eigenen Fähigkeiten herausfordernde Situationen bewältigen zu können. Die beiden Konstrukte hängen stark zusammen. Wenn ich mir selbst als Person positiv gegenüberstehe und mich positiv bewerte, dann traue ich mir vermutlich auch mehr zu.

MS: Wer, würdest du sagen, braucht Resilienz? In welchen Lebenslagen ist Resilienz besonders wichtig? Meist merken Personen vermutlich erst in Krisenzeiten, dass sie Resilienz brauchen, oder?

MH: Generell braucht jeder Resilienz, da das Leben nicht immer leicht ist und wir alle früher oder später Krisen erleben. Hierfür brauchen wir Strategien, die wir uns bestenfalls schon angeeignet haben, bevor z. B. ein Schicksalsschlag eintritt. Es gibt jedoch auch kleine Stressoren, sogenannte daily hassles, denen wir täglich ausgesetzt sind, die in Summe auch zu einer psychischen Beeinträchtigung bis Erkrankung führen können. Wir alle erleben ja fast täglich Stress und besitzen schon viele nützliche Strategien, um damit umzugehen. Wir Menschen sind also im Allgemeinen sehr resilient. Jedoch brauchen vulnerable Personengruppen in kritischen Situationen besonders viel Resilienz, z. B. im Beruf. Da denke ich beispielsweise an Pflegepersonal oder Lehrkräfte – also Berufsgruppen, die laut Studien als Burnout-gefährdet gelten – aber auch Alleinerziehende, bestimmte Minderheiten, Geflüchtete oder auch gesellschaftliche Randgruppen.

Der Begriff Resilienz steht jedoch auch manchmal in der Kritik. Manche interpretieren ihn so, dass individuelle Resilienzstärkung vorgeschoben wird, um gesellschaftliche Rahmenbedingungen nicht verändern zu müssen. Stattdessen werde die Verantwortung auf das Individuum abgewälzt, während die ungünstigen Strukturen aber die gleichen blieben. Aus meiner Sicht braucht man jedoch beides. Sowohl gesellschaftliche Rahmenbedingungen, als auch individuelle Gesundheitskompetenzen können und sollten angesichts der globalen Herausforderungen unserer Zeit verändert werden. Um also auf deine Frage zurückzukommen: Auch die Gesellschaft braucht Resilienz. Letztlich geht beides Hand in Hand und schließt sich gegenseitig nicht aus.

MS: Gehen wir zum Thema Lernen über. Ich habe versucht, etwas zum Thema „Resilienz und Lernen“ zu recherchieren, habe aber nicht viel dazu gefunden. Ich sehe jedoch Verbindungen zwischen den beiden Themen. Wenn ich lerne, erlebe ich öfter mal Rückschläge. Es klappt nicht immer alles so und ich bekomme nicht immer positives Feedback. Beim Lernen muss ich manchmal Aufgaben bearbeiten, die ich nicht direkt lösen kann. Ich kann auch bei bestimmten Themen oder Fächern Lernprobleme haben. Manche Lerner*innen kommen bei Prüfungen oder Abschlussarbeiten tatsächlich in Krisen.

MH: Ja, Resilienz ist auch beim Lernen gefragt. Lerner*innen verfügen meist bereits über viele geeignete Strategien, um mit solchen schwierigen Situationen umzugehen. Was dann für den Einzelnen Stress bedeutet, ist sehr individuell. Das kann eine Prüfung sein oder ein ausbleibendes positives Feedback. Die Stressbewältigungsstrategien überschneiden sich aber in verschiedenen Situationen. Manche Resilienzfaktoren sind im Lernkontext relevanter als andere, denke ich. Nehmen wir das aktive Coping, was ja hier bedeuten kann, dass man sich aktiv mit dem Lernstoff auseinandersetzt. Das kann heißen, dass ich mir einen Lernplan mit folgenden Punkten mache: Wann lerne ich? Was beinhaltet der Lernstoff? Wie viel Zeit habe ich? Setze ich mir realistische Teilziele? Da gibt es Überschneidungen zu den Erkenntnissen der Pädagogischen Psychologie, insbesondere zum selbstregulierten Lernen. Wenn ich meine kleinen Teilziele erreiche, stärkt das außerdem meine Selbstwirksamkeit und motiviert mich, am nächsten Tag weiterzumachen.
Ein verbreitetes Phänomen ist das Aufschieben (Prokrastinieren), was meist auftritt, wenn Lerner*innen sich überfordert fühlen und sich die Herausforderung nicht zutrauen. Wichtig ist, dass man dann klein anfängt und sich, ebenso im Sinne der Selbstwirksamkeit, bisherige Erfolge vor Augen führt. Man hat ja vielleicht schon einige andere Prüfungen in seinem Leben geschafft. Da hilft es, sich zu fragen, was in Vorbereitung auf vergangene Prüfung geholfen hat, insbesondere, welche persönlichen Fähigkeiten dazu beigetragen haben. Das stärkt nicht nur die Selbstwirksamkeit, sondern auch den Selbstwert.
Auch die unbewussten gedanklichen Bewertungen, die man beim Lernen vornimmt, spielen sicher eine große Rolle. Oft schafft man sich selbst stressfördernde Gedanken wie „Das wird in einer Katastrophe enden!“ oder „Ich kann ja sowieso nichts.“ Damit sabotiert man sich jedoch selbst, denn diese Gedanken wirken sich wiederum auf das emotionale Erleben aus, d. h. die Angst vor einer Prüfung verstärkt sich. Ein zu hohes Maß an Angst führt wiederum dazu, dass man sich schlechter konzentrieren kann und beeinflusst dann das Prüfungsergebnis negativ. Das Ergebnis bestätigt die Annahme, dass man ja eh nichts könne. Daraus kann letztlich ein psychologischer Teufelskreis entstehen, der dazu führt, dass man Prüfungen vermeidet oder sie nur unter großer Angst durchsteht und dadurch tatsächlich schlechte Ergebnisse erzielt.
Daher kann es helfen, seine Gedanken zu reflektieren und sie sich zu vergegenwärtigen. Im nächsten Schritt kann man sich fragen: Sind diese Gedanken konstruktiv oder kann ich andere ersetzen? Das klingt erst mal mechanisch, aber es hilft, einfach mal andere Gedanken zuzulassen und zu überlegen, was das für einen Unterschied macht. Wie beeinflusst das mein Wohlbefinden? Und könnte an den konstruktiveren Gedanken wie beispielsweise „Das ist eine Herausforderung, aber ich weiß, dass ich es mit einer guten Vorbereitung schaffen kann.“ etwas dran sein? Doch sich gedanklich umzustellen, ist auch ein Stück weit Arbeit. Das geht nicht von heute auf morgen. Solche neuen Gedanken über sich selbst können sich erstmal fremd anfühlen.

MS: Das heißt, wenn ich als Lerner*in Angst vor einer Abschlussprüfung habe, mache ich mir auch nochmal bewusst, dass auch schon eine ordentliche Wegstrecke hinter mir liegt – verschiedene Klassenstufen, Tests und Arbeiten. Diese habe ich ja alle schon gemeistert, sonst stünde ich ja nicht vor der Abschlussprüfung. Ist das ein Tipp, dass Lerner*innen sich ihre Erfolge aufschreiben und an die Pinnwand heften?

MH: Ja, aus Resilienzperspektive kann es sinnvoll sein, sich eigene Erfolge vor Augen zu führen. Viele Menschen klopfen sich sicherlich zu selten auf die Schulter, indem sie nach Erfolgen innerhalten und sich sagen: „Das habe ich richtig gut gemacht“. Sie haben die Neigung, sich auf eigene Fehler zu fokussieren oder auf das, was noch nicht so gut geklappt hat. Ein sogenanntes Positiv-Tagebuch kann hier helfen, bei dem man jeden Abend auflistet, was einem am Tag gut gelungen ist. Diese Form der mentalen Stresskompetenz ist entscheidend.

Denn letztlich produziert man sich viel Stress selbst durch die eigenen Gedanken. Wichtig ist aber auch, dass man sich seinen Alltag so gestaltet, dass Stressfaktoren minimiert werden – die sogenannte instrumentelle Stresskompetenz. Beim Lernen kann das durch Priorisierung umgesetzt werden. Wenn man sich in einer stressigen Lernphase befindet, kann man überlegen, welche anderen Pflichten und Ablenkungen man zurückschrauben kann. Da können auch Wenn-Dann-Pläne helfen, wie beispielweise „Wenn mich meine Freundin fragt, ob wir feiern gehen wollen, dann sage ich xyz“. Das kann auch bedeuten, andere Aufgaben zu delegieren oder zu verschieben, wie etwa den Putzdienst in der WG.
Wenn man doch in Stress gerät, der sich generell und auch beim Lernen nicht immer vermeiden lässt, sollte man versuchen, genügend Erholungsphasen einzubauen. Beispielsweise indem man durch angenehme Aktivitäten, die einem gut tun und mit denen man Kraft tankt, abschaltet und sich belohnt. Denn diese wecken positive Emotionen, die als Puffer in Stressphasen dienen. Entscheidend ist, dass man diese Dinge umsetzt. Viele Menschen wissen theoretisch, was ihnen guttut, haben aber Schwierigkeiten wirklich etwas zu verändern. Kleine innere Fluchten beim Lernen, wie etwa der Blick aufs Handy, können im positiven Sinne andeuten, dass man eine Pause braucht. Solche Anzeichen sollte man ernst nehmen und am besten schon im Vorhinein regelmäßige Pausen einplanen – laut Studien alle 25 bis 30 Minuten.

MS: Was können denn Lehrer*innen tun, um ihre Lerner*innen beim Thema Resilienz zu unterstützen? Mir fällt da spontan das Thema Feedback ein. Oft werden ja in Arbeiten nur die Fehler gesucht, nicht das, was richtig ist.

MH: Ja, Lehrer*innen können Lerner*innen in ihrer Resilienzentwicklung unterstützen, indem sie auf deren Stärken und Interessen fokussieren und diese auch so rückmelden. Beim Lernen können sie ihnen außerdem helfen, sich konkrete, realistische Ziele und Erfolgserwartungen zu setzen. Daraus resultieren dann kleine Erfolgserlebnisse beim Lernen, die die Selbstwirksamkeit stärken.
Auch bedingungslose Wertschätzung durch Lehrer*innen gegenüber ihren Schüler*innen, die unabhängig von Schulleistungen ist, kann die Resilienz unterstützen. Auf diese Weise lernen die Kinder und Jugendliche, dass sie immer liebenswert sind. Diese Wertschätzung können sie durch ein empathisches Eingehen auf die Schüler*innen zum Ausdruck bringen und indem sie als vertrauenswürdige*r Ansprechpartner*in verfügbar sind. Dazu gehört auch, Person und Verhalten voneinander zu trennen, das heißt, ein bestimmtes Verhalten zu loben oder zu kritisieren, die Person von solchen Bewertungen aber konsequent rauszuhalten.
Lehrer*innen können betonen, was gut geklappt hat und wo Lerner*innen Fortschritte erzielt haben. So führen sie individuelle Entwicklungserfolge vor Augen statt den sozialen Vergleich zusätzlich zu befeuern, den Schüler*innen wahrscheinlich sowieso von sich aus anstellen.
Dabei ist eine sensible Kommunikation von entscheidender Bedeutung, also dass man eben nicht sagt „Das kannst du nicht“, sondern „In dem Bereich hast du noch Schwierigkeiten, aber wenn du dich anstrengst, kannst du dich da verbessern.“ Positives Feedback wirkt sich günstig auf den Selbstwert aus. Dieser wird auch stark durch eine enge, verlässliche und wertschätzende Beziehung beeinflusst, die man beispielsweise zur Lehrer*in hat. Das ist besonders bei Kindern wichtig, die diese sichere Bindung nicht von ihren Eltern erfahren. Die Lehrer*in kann hier zumindest bis zu einem gewissen Grad einen „Beziehungsersatz“ darstellen, indem sie dem Kind diese bedingungslose Wertschätzung entgegenbringt.
Dafür brauchen Lehrer*innen aber selbstverständlich geeignete Rahmenbedingungen, veranlasst durch die Schule, das Schulklima, die Schulleitung und letztlich auch durch die Politik. Es kann jedoch jede Lehrer*in im Kleinen etwas beitragen. Doch einige wissen vielleicht gar nicht, wie sie die psychische Gesundheit und Resilienz ihrer Schüler*innen unterstützen können, da das Thema in der Lehrerausbildung bisher nicht vorkommt.

Weitere Infos: Webseite des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung: https://lir-mainz.de/home