7 Tipps zur Beratung von Lernern

Beratungsgespräche sind wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie, was man bekommt. Manche Gespräche verlaufen produktiv und harmonisch, andere aber sind das komplette Gegenteil. Hier finden Sie sieben Tipps, um sich als Berater zu verbessern.

[Anmerkung zum Text: Ich rede im Text von „Lernern“ und „Lehrern“, gemeint sind damit grundsätzlich alle Geschlechter. Außerdem beziehen sich diese Bezeichnungen nicht nur auf Personen in der Schule, sondern beispielsweise auch auf die Ausbildung und auf alle weiteren Lernumfelder.]

Viele Lehrer unterrichten nicht nur, es gehört auch zu ihren Aufgaben, Lerner (und deren Eltern) zu beraten. Doch einige wurden in ihrer Ausbildung nicht auf die Beraterrolle vorbereitet. Natürlich wäre es jetzt sinnvoll, ganz tief Luft zu holen und in einem dreitägigen Seminar mit den Grundlagen der Kommunikation zu beginnen. Aber so viel Platz ist hier nicht. Deshalb fangen wir mal mit 7 Tipps zur Beratung von Lernern (und deren Eltern) an. Unter Beratung wird nachfolgend nicht ein Informationsgespräch (z.B. zum Leistungsstand des Lerners) verstanden, sondern die Bearbeitung eines Problems, das der Lerner oder die Eltern mitbringen.

1. Überlegen Sie, welche Art von Beratung Sie mit Ihren Fachkompetenzen durchführen wollen und können.

Wenn manche Menschen das Gefühl haben, dass ihnen endlich mal jemand zuhört, fangen sie an, alle Probleme auszupacken. Egal, ob sie zum Thema gehören oder nicht. Überlegen Sie sich daher, zu welchen Themen Sie beraten möchten und können und zu welchen nicht. Natürlich gehen Problemfelder ineinander über. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie sich jedem Problem annehmen müssen und können.

2. Bestimmen Sie Ihre Kommunikationswege und -zeiten und teilen Sie diese transparent mit.

Spontane Beratungsgespräche zwischen Tür und Angel sind meist eine schlechte Idee. Vereinbaren Sie als Berater feste Termine und grenzen Sie auch das Thema und die Länge des Gesprächs ein. Diese Rahmenbedingungen teilen Sie schon im Vorfeld des Gesprächs mit. Wenn Gesprächspartner dann ausschweifend werden, können Sie immer wieder auf das vereinbarte Thema und die Gesprächsdauer verweisen.

3. Gehen Sie mit einer konstruktiven Haltung in das Gespräch.

Hier geht es um Ihre Rolle als Berater. Wie sehen Sie Ihr Gegenüber? Sind Sie (aufgrund vorheriger Vorfälle) bereits aufgebracht oder emotional und können dem Gespräch gar nicht offen begegnen? Berater sind unter anderem deshalb erfolgreich, weil sie eine Distanz zum Problem des Gegenübers haben. Sie behalten einen kühlen Kopf und können die Probleme so besser analysieren. Sie begegnen den Ratsuchenden mit Respekt, Empathie und Offenheit. Sie kennen sie Lösung des Problems nicht schon vorher, sondern wissen, dass diese gemeinsam erarbeitet werden muss. Sie erkennen an, dass andere ihre eigene Wirklichkeit haben.

4. Beobachten Sie Verhaltensweisen, ohne diese zu bewerten.

Beobachtungen und Bewertungen vermischen sich gern. Während Beobachtungen jedoch eine Art Rohdaten darstellen, enthalten Bewertungen meist schon eine Interpretation und Wertung. Diese Bewertungen können jedoch manchmal auch voreilig oder einfach falsch sein. Nehmen Sie die Position eines Wissenschaftlers ein und sehen Sie sich die „Datenlage“ erst einmal an. Welche alternativen Schlussfolgerungen fallen ihn ein? Sammeln Sie! Anstatt einen Lerner als „faul“ zu bewerten, sammeln Sie konkrete Beobachtungen (Aufgaben an Tag a und b nicht abgegeben, keine Mitarbeit an Tag c, keine Arbeitsmaterialien am Tag d usw.)

5. Helfen Sie, ohne Ratschläge zu geben.

„Auch Ratschläge sind Schläge.“ Ratschläge in Beratungsgesprächen sind oft gut gemeint, doch nicht immer hilfreich. Was für einen selbst funktioniert, muss nicht für andere stimmen (ganz nach dem Motto: „Hier, nehmen Sie meine Brille, mit der sehe ich auch gut!“). Denn letztendlich ist jeder Experte für sein eigenes Leben. Darüber hinaus führen die Ratschläge schnell in die Helferfalle, in der Sie als Berater die Verantwortung für das Problem des Gegenübers übernommen haben. Sie geben einen Ratschlag, der Gegenüber setzt ihn missmutig um und es funktioniert nicht. Dann richtet sich die Enttäuschung auf den Berater, der das ganze ja vorgeschlagen hat.

6. Hören Sie aktiv zu.

Reden, Lesen und Schreiben üben viele Menschen jahrelang, Zuhören hingegen wird oft weniger thematisiert. Jemand anderem aktiv zuzuhören, ist eine Fähigkeit, die jeder Berater beherrschen sollte. Schenken Sie Ihrem Gegenüber volle Aufmerksamkeit, halten Sie Blickkontakt und signalisieren Sie (sowohl verbal als auch nonverbal), dass Sie dem Gesprächsverlauf verfolgen. Nehmen Sie sich selbst zurück und sprechen Sie nicht über sich. Stellen Sie wenn nötig Nachfragen oder fassen Sie kurz zusammen, was sie verstanden haben, um Missverständnisse zu vermeiden.

7. Vereinbaren Sie (messbare) Ziele.

Viele Gespräche enden unkonkret ohne richtiges Ziel. Alle Gesprächsparteien sind sich zwar einig, dass dieses oder jenes jetzt erfolgen sollte oder müsste, doch die konkrete Umsetzung fehlt. Was genau soll sich denn beispielsweise in den kommenden drei Wochen verändern? Hier hilft die SMART-Formel, um Ziele so zu setzen, dass sie später überprüft werden können. Ein Ziel sollte dabei Spezifisch, Messbar, Akzeptabel, Realistisch und Terminiert sein.

Meine Meinung:

Die Lehrer- und Beraterrolle lassen sich nicht immer gut unter einen Hut bringen, auch wenn diese beiden Rollen immer öfter in Kombination gefordert werden. Auf der einen Seite soll man bewerten und wichtige Leistungen einschätzen, auf der anderen Seite sich von der Lehrerrolle lösen und in eine neutrale Beraterrolle steigen. Das ist oft schwierig. Denn auch die Lerner müssen einem glauben, dass man die teilweise sensiblen und sehr ehrlichen Informationen aus einem Beratungsgespräch nicht bei der nächsten Bewertung einbezieht oder gar gegen sie verwendet.

Quellen

Hertel, S. (2010). Eltern beraten, souverän und erfolgreich. Konkrete Strategien und Tipps für Erziehungs- und Lernberatung in der Schule ; [CD mit allen wichtigen Vorlagen] (Auer macht Schule. Lehrerbibliothek, 1. Aufl.). Donauwörth: Auer.

Hertel, S. & Schmitz, B. (2010). Lehrer als Berater in Schule und Unterricht (1. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.

Palzkill, B., Müller, G. & Schute, E. (2018). Erfolgreiche Gesprächsführung in der Schule. Grenzen ziehen, Konflikte lösen, beraten (3. Auflage). Berlin: Cornelsen.

Weidenmann, B. (2006). Gesprächs- und Vortragstechnik. Für alle Trainer, Lehrer, Kursleiter und Dozenten (Beltz Weiterbildung: Training, 4., aktualis. und erw. Aufl.). Weinheim: Beltz.